Fabrik der Zukunft

Inspirationen für die Produktion und Logistik von morgen!

Digitaler Zwilling in der Praxis der Produktion - mit Uwe Haas #162

Wie Bosch Rexroth den Digital Twin mit der Verwaltungsschale lebendig macht.

09.04.2024 38 min

Zusammenfassung & Show Notes

Uwe Haas ist quasi der "Chief Product Owner" für den Digitalen Zwilling bei Bosch Rexroth. In seiner Rolle als Head of Enabling Digital Products DC/BDP3 redet er mit Tobias Herwig über die Implementierung und den Nutzen des Digitalen Zwillings in der Industrie:
  • Digitaler Zwilling für die Produkte in der Praxis mit 300 Millionen Instanzen 
  • Nutzung der Standards der Asset Administration Shell und der IDTA
  • Werkeübergreifende Anwendungen u.a. für Produktions- und Prüfdaten 
  • Prozess der Erstellung digitaler Zwillinge 
  • Von den ersten Schritten und der Skalierung über alle Werke 
  • Einblicke in die technischen und organisatorischen Erfahrungen 
  • Zukunftspläne für den Digitalen Zwilling bei Bosch Rexroth 
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Transkript

Hallo und herzlich willkommen. Fabrik der Zukunft, der Podcast für Inspiration aus Produktion und Logistik mit cleveren Konzepten und smarten Technologien für deine Fabrik. Mein Name ist Tobias Herwig. Schön, dass du wieder mit dabei bist, wenn es darum geht, die Fabrik von heute nach vorne zu bringen. Heute reden wir über den digitalen Zwilling, und zwar nicht nur irgendwie theoretisch, sondern wir schauen uns ein wirkliches Praxisbeispiel an und schauen uns an, wie das mit dem digitalen Zwilling in in der Realität ausschaut. Wir reden dabei über die Asset Administration Shell oder auf Deutsch auch Verwaltungsschale. Ein Standard, der ja, den es jetzt schon eine Weile gibt und der jetzt immer mehr auch wirklich in den Fabriken von heute Einzug hält. Wir werden nämlich ein Beispiel anschauen, wo es um eine knappe Million verschiedener digitaler Zwillinge geht, die werkübergreifend genutzt werden. Also ein wirklicher Pionier ist heute zu Gast und wir werden dabei den Fokus auf den Digital Twin oder digitalen Zwilling der Produkte legen und uns anschauen, wie werden diese Zwillinge im Werk erstellt Und was für Erfahrungen konnte man dabei sammeln bei der Skalierung? Über all diese Themen rede ich heute mit Uwe Haas. Er ist seit 12 Jahren bei Bosch Rexroth. Er ist dort als Head of Enabling Digital Products tätig, quasi so der Chief Product Owner für das ganze Thema digitaler Zwilling. Und ich freue mich, dass du zu Gast bist.
Uwe Haas
00:01:21
Hallo Uwe! Hallo Tobias, schön, dass ich hier sein kann.
Tobias Herwig
00:01:27
Ich habe gerade schon ein bisschen was angeteasert. Ihr seid ja wirklich Pioniere in dem Sinne, dass ihr wirklich das Thema digitaler Zwilling schon ja wirklich beeindruckend skaliert habt. Nehmt uns da mal mit rein. Wo seid ihr da mittlerweile angekommen mit euren digitalen Zwillingen? Was für eine Vielzahl, was für eine Anzahl deckt ihr da ab?
Uwe Haas
00:01:46
Ja, sehr gerne. Wir haben für ca. 900.000 unterschiedliche Produkte von Bosch Rexroth sogenannte Typ-Zwillinge. Also das heißt, die Beschreibung der Produkte in Form von CAD-Modellen oder Katalogdaten Und wir haben über 300 Millionen gefertigte Produktinstanzen, für die wir Informationen haben können. Das sind zum Beispiel End-of-Line-Prüfprotokolle oder eben auch andere Daten aus dem Qualitätsmanagement oder aus den Fertigungsprozessen.
Tobias Herwig
00:02:25
Okay, stark. Also 300 Millionen, das muss man sich mal vorstellen. Instanzen dieser digitalen Zwillinge. Das ist wirklich eine verrückte Anzahl. Kannst du ein bisschen was sagen zu den Produkten und auch den Prozessen, die dahinter stecken? Also wie muss ich mir das bei euch in der Produktion vorstellen?
Uwe Haas
00:02:44
Wir sind ja als Bosch Rexroth aufgestellt in 9 unterschiedliche Geschäftsbereiche, Business Units, wo wir unterschiedlichste Produkte fertigen. Das geht in dem einen Bereich Factory Automation, elektronische Antriebe, Linearführungssysteme oder Montagesysteme. Und ein anderer großer Bereich, der größte Bereich, ist die Hydraulik. Das ist unterteilt in Industriehydraulik und Mobilhydraulik, Kompakthydraulik oder große Antriebe. Und im Endeffekt ist es so, dass quasi entlang aller Wertschöpfungsprozesse inklusive der Fertigung auch bei uns in den Werken Daten gesammelt werden. Wir beschreiben diese semantisch, um diese dann für eine spätere Verwendung zur Verfügung zu haben.
Tobias Herwig
00:03:39
Stark. Also das heißt, über den kompletten Wertschöpfungsprozess, den ihr bei euch in den Werken habt, und über ja auch ganz, ganz unterschiedliche Produkte. Das finde ich auch noch mal wichtig zu verstehen, dass wir nicht nur von einem Produkttyp oder so reden oder einer Fabrik, sondern dass man diese Vielfalt so ein bisschen im Kopf hat. Jetzt kann man sich vorstellen, da ist schon ein bisschen Reise passiert, die ihr da zurückgelegt habt auf dem Weg hin zu dieser enormen Komplexität und auch Vielzahl. Nehmen wir uns mal mit rein. Wie war das denn bei euch am Anfang? Mit was für einem Stand habt ihr denn losgelegt?
Uwe Haas
00:04:16
Am Anfang war tatsächlich einfach nur die Idee, wir hatten das damals genannt: digitales Tagebuch eines Produktes. Und haben dann gesagt, so von dem, okay, wie möchten wir da damit anfangen? Wir haben über die Vielzahl der unterschiedlichen Produkte gesprochen, die Vielzahl der Produktbereiche, die wir haben, und haben uns dann entschieden, mit einem Produktbereich zu beginnen und dort auch nur mit einer sehr überschaubaren Anzahl an unterschiedlichen Produkten, um daran zu lernen und dann zu gucken, wie schaffe ich es, das Ganze zu skalieren, um die Skaleneffekte auch mitzunehmen. Das heißt, wir haben gewisse semantische Datenbeschreibungen gemacht aus dem Entwicklungsprozess, aus dem Serviceprozess und haben dann weitere Produkte hinzugenommen und haben dort evaluiert: Benötigen wir weitere Anpassungen oder funktioniert unsere semantische Beschreibung, wie wir sie gemacht haben, auch für weitere Produkte? Und haben das nach und nach dann in Produkten und auch in den Geschäftsbereichen bei uns ausgeweitet. Also sind nicht nur in einem Bereich geblieben, sondern sind immer breiter geworden.
Tobias Herwig
00:05:34
Sehr cool. Wahrscheinlich habt ihr auch mit einem Werk angefangen oder war das gleich schon werkeübergreifend?
Uwe Haas
00:05:39
Das war tatsächlich werksübergreifend, weil diese 4 Produktfamilien, die wir uns ausgesucht haben, die haben Standorte in ganz Europa gehabt, mit denen wir begonnen haben.
Tobias Herwig
00:05:52
Okay, super. Jetzt ist ja dann eine spannende Frage, wenn du über semantische Beschreibung und solche Themen redest, die der Standard. Also war für euch schon klar, dass ihr das auch direkt mit einem Standard umsetzt, oder wie war das bei euch zu Beginn des Projektes?
Uwe Haas
00:06:09
Zu Beginn im Projekt haben wir uns natürlich auch erst mal angeguckt, was für Standards gibt es denn überhaupt und welche Hilfsmittel oder Tools, Unterstützung gibt es am Markt? Und als wir 2000 2018/2019 damit begonnen haben, gab es noch nicht so diesen Standard oder die Tools, die man einsetzen konnte, und deswegen haben wir uns dort an dem Rami-Modell eben entsprechend mit orientiert. Und darauf aufbauend sind wir dann auch relativ schnell in Richtung IDTA, Industrial Digital Twin Association, gegangen und haben dort eben Dann das Thema Verwaltungsschale als den Standard ausgewählt, den wir verfolgen wollen, und aber unsere semantische Datenbeschreibung erfolgt auf Basis von Aspektmodellen, die auch Semantic Aspect Metamodel, das ist auch ein Standard, der im Rahmen von Catena-X genutzt wird.
Tobias Herwig
00:07:16
Okay, was beinhaltet dann dieser Standard?
Uwe Haas
00:07:20
Dieser Standard beschreibt, wie die Daten beschrieben werden müssen. Und zum Beispiel auch in der IDTA gibt es verschiedene Teilmodelle für die digitalen Zwillinge, die dann eben auch beschreiben, wie die Referenzen dazu bezeichnet werden. Also zum Beispiel eCl@ss-Merkmale werden dort verwendet, um den Herstellernamen, die Adresse eineindeutig zu beschreiben, um damit die Daten über Hersteller hinweg eben auch vergleichbar sind.
Tobias Herwig
00:07:54
Bringt ja erst mal nichts, wenn ihr jetzt einen tollen Standard für euch habt, wenn dann keiner was mit den digitalen Zwillingen später anfangen kann. Da redet man dann auch noch drüber, wie das weitergeht. Du hast jetzt von verschiedenen Modellen geredet im IDTA-Standard. Du redest da von den Submodulen wahrscheinlich, oder meinst du die?
Uwe Haas
00:08:11
Richtig, genau.
Tobias Herwig
00:08:13
Kannst du sagen, welche Submodule ihr da nutzt? Also habt ihr da, habt ihr euch wahrscheinlich auch zum Start irgendwie fokussiert oder seid ihr da gleich in die Vollen gegangen?
Uwe Haas
00:08:21
Nein, also aktuell sind wir dabei, zum Beispiel den ganz neu aktuell in der Verabschiedung befindlichen 3D-CAD-Modell-Teilmodell oder Submodell umzusetzen. Das erste, mit dem wir begonnen haben, war das Digital Nameplate als der Must, um überhaupt eine Instanz identifizieren zu können.
Tobias Herwig
00:08:47
Das digitale Typenschild.
Uwe Haas
00:08:51
Genau. Entschuldigung.
Tobias Herwig
00:08:53
Alles gut. Ich übersetze es nur für die Hörer, dass man es gleich einordnen kann.
Uwe Haas
00:08:57
Dann eben auch das Thema Übergabedokumente. Also das heißt, man muss ja mit den Produkten auch gewisse Dokumentationen übergeben. Dafür gibt es ein Teilmodell. Oder eben auch das Thema CO2-Fußabdruck unserer Produkte. Im Englischen nennt sich das Product Carbon Footprint. Das ist zum Beispiel auch auch ein Teilmodell, was wir eben entsprechend umgesetzt haben, oder Equipment, also Ersatzteilstückliste, dass man eben auch die Ersatzteile sieht. Und das sind alles Standards, die vorhanden sind, und an denen arbeiten wir.
Tobias Herwig
00:09:36
Wenn du jetzt von diesen verschiedenen Standards redest, den verschiedenen Submodulen, was denkst du, ist da aus Produktionssicht das Spannendste, das Wichtigste? Also jetzt Ersatzteilstückliste zum Beispiel, wahrscheinlich für die Produktion wenig relevant. Wo findet man da die meisten Daten aus der Produktion?
Uwe Haas
00:09:49
Kannst du das sagen? Für die Produktion sind eben auch solche Teilmodelle, aus der Entwicklung kommend, sehr wichtig, weil wenn die Daten dort beschrieben sind, semantisch beschrieben vorhanden sind und übergeben werden, kann ich meine Prüfstände oder eben auch meine Zerspanungs- Also die Maschinen für die Zerspanung. Genau, eben entsprechend mit den Daten befüllen, damit diese nicht manuell eingegeben werden müssen, sondern werden standardisiert über eine Schnittstelle übergeben.
Tobias Herwig
00:10:27
Okay, das ist super. Das heißt, ihr nutzt quasi auch schon die Informationen intern. Das ist nicht nur was, was ihr sammelt für diesen digitalen Zwilling, um den irgendwann mal eurem Kunden zu geben, sondern das ist schon was, wo ihr intern auch in euren Prozessen davon profitiert.
Uwe Haas
00:10:39
Richtig. Also wir sind auch tatsächlich gestartet mit einem Fokus: Was bringt uns das Ganze intern? Also in Richtung Effizienzsteigerung, aber immer ausgehend von den Anwendungsfällen von unseren Kunden. Also das heißt, der Kunde stand immer im Mittelpunkt. Was können wir tun, damit unsere Kunden profitieren? Mussten aber erst mal intern die Daten so weit aufbereiten und zur Verfügung stellen, Und das haben wir eben gemacht, indem wir sie intern erst mal nutzen und verproben.
Tobias Herwig
00:11:14
Das ist, glaube ich, sinnvoll. Wenn du jetzt zurückdenkst, den Weg, den du da zurückgegangen bist, was waren da so die größten Herausforderungen, das Ganze so auch in die Breite zu bringen?
Uwe Haas
00:11:26
Die größten Herausforderungen waren einerseits, dass es tatsächlich eine neue Technologie war, noch keine etablierten Standards gab. Und aus meiner Sicht war auch eine der größten Herausforderungen das Bereichsübergreifende. Sprich, es ist nicht nur ein reines Entwicklungsprojekt, es ist kein reines Fertigungsprojekt oder Serviceprojekt, sondern es ist eben über den gesamten Lebenszyklus des Produktes hinweg. Und dort hat man eben viele unterschiedliche Ansprechpartner. Aus ihren eigenen Domänen, um mit denen in Kontakt zu kommen und ihnen jetzt nicht zu vermitteln: Hey, ich möchte in dein Thema eingreifen, aber ich brauche dein Domänenwissen, damit wir für unsere Produkte die Daten am besten zur Verfügung stellen können. Das war mit eine der größten Herausforderungen.
Tobias Herwig
00:12:23
Das glaube ich sofort. Klingt aber andersherum auch direkt nach dem richtigen Ansatz, wenn Digitalisierung nicht eben genau diese Durchgängigkeit mit sich bringt. Dann bin ich mir sicher, schöpfen wir auch gar nicht die Potenziale. Also von dem her ist das wahrscheinlich zwingend notwendig, wenn man so eine Durchgängigkeit am Ende haben möchte. Was waren aus deiner Sicht Erfolgsfaktoren? Also ich meine, ihr habt es am Ende geschafft, so weit zu kommen, wie ihr jetzt seid, und das ist wirklich beeindruckend. Was kannst du da für Tipps weitergeben?
Uwe Haas
00:12:51
Also ganz wichtig ist, wir nennen es Bottom-up und Top-down-Ansatz. Also einmal das Commitment von unserem Vorstand zu haben. Das war wirklich sehr, sehr wichtig und hilfreich. Aber eben auch Leute in dem Shopfloor zu haben, in der Entwicklung zu haben, in den Servicebereichen zu haben, die auch die Notwendigkeit daran erkennen, um da mitzuarbeiten. Um eben das auch auf breite Schultern zu verteilen, über mehrere Schultern zu verteilen, damit das nicht nur so ein kleines Pflänzchen ist, sondern wirklich breit durchgängig dann durch die Unternehmung auch geht. Und eben auch transparent sein. Und vor allem, wenn es neue Themen sind, ist es relativ häufig so, dass auch mal Fehler passieren können. Dieses sollte man auch definitiv eingestehen und daraus lernen. Und so haben wir zum Beispiel an einer Stelle mal auf ein Konzept gesetzt, wo wir komplett schon Richtung Cloud gehen wollten. Architekturtechnisch hat das richtig super ausgesehen. Als wir dann so weit waren an der Umsetzung, haben wir festgestellt, dass das viel zu groß gedacht war, und dann sind wir noch mal 5 Schritte zurück. Mittlerweile können wir das große Konzept auch verwenden, aber zu dem damaligen Zeitpunkt war es einfach zu viel und hätte uns nicht weitergebracht, sondern eher aufgehalten. Und das dann auch sich einzugestehen und dann zu sagen: Lass es uns bitte noch mal anders machen.
Tobias Herwig
00:14:33
Das heißt genau dieses schrittweise Vorgehen, was du ja auch beschrieben hast mit eurem Start, ist da sehr, sehr wichtig, um wahrscheinlich auch die vielen Beteiligten am Ende nicht zu überfordern. Gab es da ein, zwei Submodule, wo du sagst, oder vielleicht auch konkreter noch Anwendungsfälle, die waren für euch so mit die wichtigsten, vielleicht auch so eine Art Quick Win zum Start, wo man sagen da haben wir gleich schon großen Mehrwert rausgezogen.
Uwe Haas
00:14:56
Ob es jetzt tatsächlich ein Quick Win war, weiß ich nicht, aber wo wir den größten Mehrwert rausgezogen haben, mit dem wir gestartet haben, war ein Anwendungsfall für den Service, weil gewisse Servicetechniker haben 5 oder 6 unterschiedliche Quellen an Systemen, wo sie ihre Daten finden, und nachdem wir das alles semantisch beschrieben hatten und nur noch eine Oberfläche hatten, wo das angezeigt wurde, war das ein relativ kurzer großer Effizienzgewinn und die Skalierung auch für diesen Anwendungsfall war sehr, sehr gut. Auch das Thema Anbinden von Prüfständen, nachdem man sich einmal drauf geeinigt hat, wie die Daten dann am Ende des Tages abgelegt werden, ist auch hier ein Skalierungseffekt auf jeden Fall sehr deutlich sichtbar.
Tobias Herwig
00:15:49
Ja, ich glaube, das Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie auch intern einfach das Thema Standardisierung so wichtig ist, auch wenn man noch gar nicht so sehr an seine Kunden oder die nachgelagerten Prozesse denkt. Und wenn man da werkeübergreifend das wirklich standardisiert ablegen kann, dann ist das wirklich stark. Und gleichzeitig fand ich es auch interessant, dass du mit dem Service jetzt angefangen hast, weil ich kann mir schon gut vorstellen, dass natürlich im Laufe dieser Prozesskette auch der Mehrwert in den weiter hinten liegenden Prozessen wahrscheinlich immer mehr steigt, weil ich natürlich auch immer mehr Daten habe und immer mehr Informationen, auf die ich dann zurückgreifen kann. Willst du sagen, dass das auch was ist, was du nachvollziehen oder auch so bei euch siehst?
Uwe Haas
00:16:26
Das sehe ich auch so. Also mit jeder Lebenszyklusphase werden die Daten angereichert und ich kann eben entsprechende Rückschlüsse drauf ziehen. Aber andersrum ist es genauso. Wenn ich ein Produkt schon länger im Feld habe und zum Beispiel auch Informationen habe, wie sich das Produkt dann zum Beispiel in einer Fertigungsstraße verhält, kann ich dort wieder Rückschlüsse auf die Weiterentwicklung meines Produktes in die nächste Generation ziehen. Also das heißt, das ist wirklich ein kompletter Zyklus, der ist nicht irgendwann zu Ende, sondern ich nutze auch die Daten, die entlang der Nutzung des Produktes entstehen, um das Produkt weiterzuentwickeln oder auch neue Produkte komplett zu entwickeln.
Tobias Herwig
00:17:15
Ja, das ist super. Ich glaube, das ist nachvollziehbar. Je mehr Daten ich habe, je mehr profitieren am Ende alle Stufen des Prozesses davon, den jeweiligen Schritt noch besser zu machen. Ob es die Entwicklung ist oder die Produktion selbst. Ist ein starkes Zielbild. Und jetzt hast du aber auch gesagt, mein Beispiel Anbindung von den Prüfständen. Ja, das ist ja auch eine große Veränderung. Und gerade wenn wir über diese digitalen Prozesse reden, Kann ich mir vorstellen, hat das auch einiges an Änderungen in eurer IT-Architektur verursacht. Kannst du da eins mit reinnehmen, was vielleicht so die größten Änderungen waren mit Blick auf eure IT?
Uwe Haas
00:17:53
Wir hatten gerade, was auch das Thema Fertigung angeht, schon auch eine sehr heterogene Datenablage. Das heißt, viele Bereiche haben ihre Fertigungsdaten auf einem Laufwerk abgelegt, also Netzlaufwerk, und eben nicht digitalisiert oder maschinenlesbar zur Verfügung gestellt. Und das ist jetzt eben genauso der große Schritt, der eben auch bei uns über eine separate, über ein separates Projekt aktuell getrieben wird, dass eben auch in der Fertigung die Daten standardisiert zur Verfügung gestellt werden. Und gemeinsam mit diesem Projekt haben wir eben diese standardisierte Ablage dann definiert. Also das ist wirklich ganz wichtig in solchen Digitalisierungsprojekten, dass man es eben immer gemeinsam tut und nicht versucht, alleine zu lösen, weil die Vielfältigkeit der Herausforderungen ist aus meiner Sicht viel zu groß, dass es eine Initiative alleine bewältigen kann.
Tobias Herwig
00:19:04
Ja klar, und wenn man dann jetzt so ein IT-System in der Produktion einführt, dann braucht man natürlich auch alle Beteiligten, die dann wieder dort im Produktionskontext Verantwortung übernehmen und dort die Experten sind für die Prozesse. Da kriegt man dann so eine Vorstellung davon, wie groß so ein Projekt am Ende ist, wenn man all diese Initiativen dann auch mit dazu nimmt.
Uwe Haas
00:19:21
Genau, also wie gesagt, ganz wichtig ist immer, das Domänenwissen, was vorhanden ist, zu nutzen. Und das dann in die Technik zu übersetzen. Aber ohne das Wissen über den jeweiligen Bereich, über die jeweiligen Prozesse und Vorgänge bringt auch das beste IT-Projekt nichts oder Digitalisierungsprojekt nichts, weil das Wissen drum ist das Ausschlaggebende.
Tobias Herwig
00:19:50
Sehr schön. Jetzt ist für mich die Frage, jetzt ich formuliere es mal bewusst ein bisschen plump, Wenn du jetzt die IT-Architektur anschaust, wo und wann vor allem werden denn diese digitalen Zwillinge jetzt erzeugt?
Uwe Haas
00:20:07
Es ist so, dass wir diese digitalen Zwillinge und die Verwaltungsschalen, die Teilmodelle, über die wir gesprochen haben, die legen wir gar nicht ab. Also die werden nicht auf Halde gelegt, sondern unser Konzept Konzept sagt, dass das ganze Thema eventbasiert ist. Also dann, wenn ich den Bedarf habe, werden die Daten in ihrer ursprünglichen Quelle geholt über diese Aspektmodelle, in denen die semantische Beschreibung enthalten ist, und mir zur Verfügung gestellt. Also das heißt, wir haben eine sogenannte Digital Twin Registry, In dieser Registry sind ein paar Schlüsselfelder beschrieben, die wichtig sind.
Tobias Herwig
00:20:54
Das sind quasi die Verlinkungen, wenn man so möchte dann.
Uwe Haas
00:20:56
Genau, das sind die Verlinkungen, um eben auf die jeweiligen Daten dann abspringen zu können. Also wir haben so einen eindeutigen Identifier, das ist eine 40-stellige Nummer, die eineindeutig ist, und mit der haben wir gewisse weitere Schlüsselfelder wie zum Beispiel die Materialnummer, Einfertigungsauftrag, eine laufende Nummer, ein Produktionswerk oder eben auch Serialnummern, die da damit abgebildet werden können.
Tobias Herwig
00:21:31
Okay, das heißt, wenn ich jetzt ein bisschen frech formuliere, dann gibt es den Digitalen Zwilling eigentlich gar nicht, sondern er wird dann erstellt, wenn ich ihn brauche, und er greift dann eben entsprechend auch, um die Beispiele von vorher aufzugreifen, dann auf die Daten aus dem Prüfstand oder aus eurem Produktionssystem zu. Wie läuft das dann ab? Greift ihr dann auch immer alle Daten ab oder auch wirklich auch nur die, die man entsprechend braucht? Wie muss ich mir das vorstellen?
Uwe Haas
00:21:58
Also es ist tatsächlich so, es ist bedarfs- und eventgetriggert. Also der Auslöser bestimmt, welche Daten wir uns holen. Also es wird nicht immer der komplette Datensatz gezogen, sondern wenn ich jetzt sage, ich möchte zu einer Pumpe die Prüfstandsergebnisse haben, dann bekomme ich das, das digitale Typenschild plus die Prüfergebnisse. Das CAD-Modell oder das Simulationsmodell, das es dazu gibt, hole ich mir in dem Moment nicht, weil ich es nicht benötige. Somit reduziere ich auch die Datenströme und quasi auch die Bandbreite, die ich benötige, um die Daten zu holen.
Tobias Herwig
00:22:44
Du sagst jetzt Bandbreite und Datenströme. Kannst du uns da ein bisschen mit reinnehmen, warum es notwendig ist, die Struktur genauso aufzubauen, wie ihr es gemacht habt?
Uwe Haas
00:22:52
Ich kann vielleicht ein kurzes Beispiel geben. Du hast vorher gesagt, es gibt keinen digitalen Zwilling gespeichert. Für einen Typ-Zwilling, die Informationen, die abgelegt sind, sind circa 16 Kilobyte Datenkapazität, die wir benötigen. Für einen Instanz-Zwilling sind es sogar nur 8 Kilobyte.
Tobias Herwig
00:23:21
Wow, okay.
Uwe Haas
00:23:22
Weil wir nur diese Informationen separat gespeichert haben und dann zur Laufzeit die Daten zusammenholen. Wenn ich jetzt einen voll ausgeprägten digitalen Zwilling inklusive Simulationsmodell habe, bin ich relativ schnell irgendwo zwischen 500 Megabyte und einem Gigabyte an Datenvolumen, was der digitale Zwilling beinhaltet. Also wenn man sich jetzt überlegt, quasi, und wenn man sich jetzt überlegen würde, dass wir das für 300 Millionen digitale Zwillinge separat speichern würden, dann muss man kein Mathe-Genie sein, um auszurechnen, was das einen an Betriebskosten für Speicherplatz etc. kostet.
Tobias Herwig
00:24:09
Ja, das ist sehr eindrücklich, ja, wenn man dann mit dem Gigabyte mal rechnet, das kriegt man glaube ich dann im Kopf noch hin. Sehr, sehr schönes Beispiel dafür, warum diese Architektur, wie sie jetzt aufgebaut habt, sehr, sehr hilfreich ist. Und auch danke für die Beispiele. Jetzt hast du auch schon genannt, wie diese verschiedenen Systeme dann angebunden sind, und du hast von den Standards geredet, das heißt ist aber ja andersrum auch, dass ja die Systeme in sehr, sehr unterschiedlichen, die Daten in sehr unterschiedlichen Systemen liegen können. Also das heißt praktisch entsprechend müssen sich ja auch die Produktionswerke nicht auf ein Produktionssystem einigen, sondern könnten ja auch unterschiedliche nutzen und das entsprechend über den Standard anbinden. Das heißt, es müsste aber dann trotzdem immer gewährleistet sein, dass diese Daten dann jederzeit verfügbar sind. Wie geht ihr da vor, um sicherzustellen, dass das dann auch wirklich jederzeit funktionieren mit dem Zugriff.
Uwe Haas
00:25:03
Also das ist richtig, es muss nicht ein System sein, aber es hilft natürlich unheimlich in der Vielfalt auch an den Schnittstellen, wenn es gewisse Standards auch zum Beispiel in MES-Systemen gibt. Das hilft unheimlich in der Aufwandreduzierung. Auch die Abläufe zu automatisieren und schneller in einen Skalierungseffekt zu kommen. Aber prinzipiell sagt das Konzept nicht, dass ich eben nur dieses eine MES-System zum Beispiel für 60 Werke benötige. Es können auch unterschiedliche sein.
Tobias Herwig
00:25:48
Aber die Anforderung an dieses MES-System muss ich natürlich dann trotzdem irgendwo standardisieren, dass entsprechend gerade eben so eine Datenbereitstellung auch möglich ist.
Uwe Haas
00:25:55
Genau, das ist richtig. Das Wichtige für uns am Ende des Tages ist es, um einen digitalen Produktzwilling zur Verfügung zu stellen, vollumfänglich, muss die Datenstruktur vorhanden sein, damit wir diese dann eben beschreiben können und abgreifen können, um dann zur Laufzeit die Information dem jeweiligen Anwender zur Verfügung zu stellen.
Tobias Herwig
00:26:20
Sehr gut. Das heißt aber auch, wenn ich das mal so ein bisschen weiter denke, du sagst, Standardisierung der IT-Landschaft hilft da natürlich. Das ist, glaube ich, nachvollziehbar. Das heißt aber insgesamt, dass auch eben eine Standardisierung über den digitalen Zwilling dann auch eine insgesamte Standardisierung der IT, und ich gehe jetzt mal einen Schritt weiter, wahrscheinlich sogar auch der Prozesslandschaft mit sich bringt, weil es ja manchmal auch so ist, dass ja auch verschiedenste Hardware-Systeme in der Produktion vielleicht auch ihre Software mitbringen und so weiter und so fort. Also das heißt, das ist eigentlich so eine Standardisierungswelle, die da auch so ein bisschen vor sich hergetrieben wird. Nimmst du das auch so wahr?
Uwe Haas
00:26:55
Teils, teils. Also es gibt wirklich Bereiche, in denen ist es auch sinnvoll. Nur wenn man sich jetzt auch aus meiner Sicht die unterschiedlichen Arten von Produkten anschaut, die wir auch beim Rexroth haben, ist es tatsächlich so, dass man eben nicht alles über einen Kamm scheren kann. Wir haben zum Beispiel auch Einzelfertigung, also Engineering to Order, also Direktentwicklung, die aufgrund einer Kundenanforderung kommt. Wir haben andere Produkte, das sind, ich nenne es mal in Anführungszeichen, Katalogprodukte. Und da habe ich eben auch an die Prozesse ganz unterschiedliche Anforderungen, wie ich es entsprechend umsetzen kann. Ich sage mal, wenn ich jetzt, Extrembeispiel, mir angucke, am Tag fallen hier mehrere Millionen Zündkerzen vom Band, oder ich mache einen Block, in dem ganz viele Löcher eingebohrt werden. Da brauche ich unterschiedliche Prozesse und Abläufe.
Tobias Herwig
00:28:00
Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, wenn man die Standardisierung da so weit treiben würde, dann wäre es wahrscheinlich schwierig und würde man sich auch keinen Gefallen tun. Okay, aber das ist schön zu sehen, dass man einerseits so eine Vielfalt abdecken kann. Ich glaube, das ist ja auch genau die Idee des Standards, ja, wenn wir über die IDTA reden, ja, wirklich genau diese Vielfalt von Produkten, ja, nicht nur von Bosch Rexroth, sondern auch von allen anderen Unternehmen irgendwie auch mit abzubilden. Und gleichzeitig macht man es sich natürlich einfacher, je mehr man auch irgendwo im Unternehmen da standardisiert unterwegs ist.
Uwe Haas
00:28:32
Aus meiner Sicht ist es einfach immer ganz wichtig, standardisieren nicht des Standards willen, sondern tatsächlich den Mehrwert und den Nutzen für sich selber in der Unternehmung, aber eben auch für den Kunden zur Verfügung zu stellen. Wenn man jetzt anguckt in den Werken, es gibt OPC UA, wie die Maschinen miteinander kommunizieren, und genau in diese Richtung sollte es meiner Meinung nach auch mit den Verwaltungsschalen entsprechend gehen.
Tobias Herwig
00:29:04
Sehr schön. Ich würde jetzt zum Abschluss mit dir noch nach vorne schauen, weil Auch wenn ihr da schon weit gekommen seid, ich glaube, das ist noch nicht das Ende der Reise mit dem digitalen Zwilling. Nehmen uns da mal ein bisschen mit rein. Was ich jetzt erstmal grundsätzlich interessant finde, ist, dass es jetzt natürlich den Fokus hat auf den eigenen Produkten. Wie sieht es da mit euren Maschinen und Anlagen in eurer eigenen Fabrik aus? Haben die schon einen digitalen Zwilling?
Uwe Haas
00:29:31
Wir sind da tatsächlich dabei, für diese eigenen Anlagen digitale Abbilder zu erstellen. Wir haben auch eine sogenannte Factory Orchestration Plattform, über die wir in der Lage sind, die Abläufe in der Fertigung über Verwaltungsschalen zu steuern. Also das heißt, wenn ich ein neues Produkt habe oder eine neue Komponente, eine neue Maschine, und die in meinen Produktionsablauf einbinden möchte, kann ich eben über die Verwaltungsschale diese Produkte in der Factory Orchestration Plattform einbinden, damit die mit gewissen Grundinformationen schon zur Verfügung stehen. Und da sind wir eben auch dabei, solche Themen wie Energiemonitoring der Gesamtanlage, also nicht nur der einzelnen Komponenten, sondern der Gesamtanlage in Form von Verwaltungsschalen zu beschreiben, dies dann auch in die Standardisierung zu bringen, um eben auch auf Systemebene unterstützen zu können, um mit den Daten zu arbeiten.
Tobias Herwig
00:30:51
Ich meine, das macht natürlich Sinn, weil ihr dann natürlich auch diese Information wieder nutzen könnt für eure eigenen Produkte, die ihr fertigt. Also jetzt über über CO2-Footprint und so was reden, schließt sich da sicherlich auch der Kreis wieder. Genau. Das ist jetzt ja die eine Seite der Medaille. Also wie sieht es mit den Assets in eurer Produktion aus? Und das Schöne ist ja, dass eure Produkte auch wiederum in Fabriken eingesetzt werden. Also das heißt, das, was wir heute diskutiert haben, so ein bisschen die Frage, wie entsteht der digitale Zwilling eurer Produkte aus der Fabrik heraus? Das ist ja nur der Start. Und dann gibt es dann hoffentlich noch einen sehr langen Lebenszyklus der Produkte im Feld oder auch in eben anderen Fabriken. Nehmen uns da mal mit rein, wo ihr da steht. Gibt es schon Kunden, die eure digitalen Zwillinge der Produkte auch direkt weiterverwenden?
Uwe Haas
00:31:43
Wir sind mit den ersten Kunden im intensiven Austausch, wo wir jetzt über ich sag jetzt mal auch Gremienarbeit, wie zum Beispiel die IDTA, miteinander verknüpft sind, wo wir jetzt eben genau in die Erprobung der Nutzung des Standards unternehmensgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Es gibt auch ein sehr großes Projekt, öffentlich gefördertes Projekt, das nennt sich Fluid 4.0, in dem sehr viele Partner mit drin sind. Also es sind fast 30 Partner, die an dem Thema arbeiten, um eben auf Basis der Verwaltungsschale miteinander gewisse Standards voranzutreiben und eben auch zu schauen, wie schaffe ich es, wir als Rexroth als Komponentenlieferant, wie funktioniert das, dass die digitalen Zwillinge unserer Komponente am Ende bei einem Maschinenhersteller zu einem digitalen Zwilling der ganzen Maschine zusammenkommt? Die dann am Ende des Tages in einer Fertigungshalle stehen, um dort betrieben zu werden.
Tobias Herwig
00:32:59
Schönes Zielbild, wenn man sich das so vorstellt.
Uwe Haas
00:33:02
Und das fängt sogar noch ein bisschen weiter vorne an, weil auch wir natürlich von unseren Lieferanten von irgendwelchen Komponenten auch diese Informationen haben möchten. Weil ein klassisches Beispiel: Ich möchte ja nicht eine Schraube, die ich von einem Hersteller beziehe, alle Informationen zu dieser Schraube selber dokumentieren müssen, erfassen müssen, auch den CO2-Fußabdruck ausweisen, sondern das möchte ich ja von dem Lieferanten bekommen, von dem ich die Schraube beziehe.
Tobias Herwig
00:33:36
Oder noch besser, von dem Maschinenlieferanten, der dann auch die Schraube in seiner Maschine vielleicht eingebaut hat, oder wie auch immer. Genau, ja, das ist, glaube ich, das Schöne, wo man jetzt wirklich sieht, dass man hier wirklich in Wertschöpfungsketten denken muss, um entsprechend Genau, auch so eine digitale Durchgängigkeit, dann nicht nur in einem Unternehmen, was glaube ich schon Herausforderung genug ist zu realisieren, sondern auch wirklich über die gesamte Wertschöpfungskette. Finde ich stark, dass ihr da unterwegs seid. Jetzt habe ich noch als letzte Frage an dich noch so die Frage in Richtung Standard. Auch ihr seid auf einer Reise unterwegs. Der Standard ist ja auch noch nicht fertig. Wenn wir jetzt über die EDTA reden, was gibt es da vielleicht für Wünsche, wo du sagst, Das sind jetzt noch wichtige Punkte, die, die wichtig wären, um am Ende auch alle Beteiligten da mit voranzubringen.
Uwe Haas
00:34:27
Aus meiner Sicht der größte Wunsch, den ich habe, dass so viele Firmen wie möglich an der Erarbeitung der Standards mitarbeiten, dass es tatsächlich der industrieübergreifende Standard wird, den wir nutzen können. Denn am Ende des Tages wird das Thema digitaler Produktpass kommen. Dafür muss bis Ende 2025 alle Regelungen definiert sein. Und das heißt, da eine konzentrierte Zusammenarbeit, um hier tatsächlich auch auf europäischer Ebene den Standard dann auch zu setzen, den wir nutzen können, um vernünftig miteinander zusammenzuarbeiten. Weil das ist aus meiner Sicht gesamtwirtschaftlich gesehen eine Katastrophe, wenn wir uns da nicht einigen könnten, in welche Richtung es gehen soll.
Tobias Herwig
00:35:26
Im Zweifel eine politische Einigung getroffen wird und entsprechend die Frage dann ist, wie realitätsnah ist die oder wie gut ist die umsetzbar. Das ist wahrscheinlich dann im Zweifel eine Konsequenz, wenn man sich nicht industrieseitig schon auf den Standards irgendwo einigt.
Uwe Haas
00:35:39
Und daher meine Bitte, mein Wunsch an alle entsprechenden Firmen, eben in die Standardisierung mit einzusteigen, um hier eben auch quasi für sich— es ist natürlich immer ein Aufwand, den man betreibt. Also auch wir haben relativ viele Kollegen und Kolleginnen, die eben in diesen Standardisierungsgremien arbeiten. Aber wir sehen für uns, dass es eigentlich eben genau einen Nutzen bringen wird, wenn wir dort drin arbeiten.
Tobias Herwig
00:36:13
Aber das heißt, um da jetzt nochmal nachzufragen, du hast jetzt keinen technologischen, fachlichen Wunsch, sondern du glaubst, dass man da grundsätzlich auf einem guten Weg ist, auch schon auf einem guten Stand ist und dass es eigentlich mehr darum geht, jetzt wirklich diese, die breite Masse am Ende zu gewinnen.
Uwe Haas
00:36:27
Ja, genau. Also ich denke, technologisch sind wir auf einem sehr guten Stand. Und auch wenn man sich jetzt hier eben in diesem Standard engagiert, wird das auch eben für aufkommende andere Initiativen immer schwieriger, dann gegen einen solchen Standard, in dem sehr viele, sehr große, auch kleine mittelständische Unternehmen angehörig sind und sich an diesem Standard entsprechend halten.
Tobias Herwig
00:36:56
Super, vielen Dank für den Appell noch zum Abschluss. Ich hoffe, dass vielleicht der Podcast auch dazu beiträgt, dass der ein oder andere diesem Aufruf folgt. Vielen Dank für den Einblick in eure Reise und für die beeindruckenden Erfahrungen, die ihr da schon gesammelt habt.
Uwe Haas
00:37:11
Sehr gerne. Hat mich sehr gefreut, bei dir sein zu dürfen.
Tobias Herwig
00:37:16
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